Friedrich Schiller: Nänie

Die lateinische Übersetzung von Heinrich Stadelmann.
Lateinischer und deutscher Text nach H. Stadelmann: Varia variorum carmina, 1854, S. 280 ff.

Naenia

 
 
 
 
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Pulcra etiam pereunt! queis Dique hominesque domantur,
    Aenea non curvant corda Jovis Stygii.
Victus amore semel nigri dominator Averni
    In medio revocat limine dona ferox.
Non sanat puero formoso Cypria vulnus,
    Quo violavit aper membra tenella procax.
Magnanimum heroem non servat diva creatrix,
    Quum fatum Scaeo limine stratus obit.
Nereos at cuncta pelagus cum prole relinquit
    Plangit et extinctam multa gemens subolem.
Ecce cient lacrimas omnes Divique Deaeque,
    Quod perfecta cadunt pulcraque sic pereunt.
Defleri quoque dilectis, non ultima laus est:
    Indeploratum vulgus adit tenebras.
Auch das Schöne muß sterben, das Menschen und Götter bezwinget!
    Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
    Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Afrodite dem schönen Knaben die Wunde,
    Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
    Wenn er am skäischen Thor fallend sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
    Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe, da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
    Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich,
    Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

Letzte Bearbeitung: 26.11.2009 – Copyright © Bernd Platzdasch